Panoramen habe ich bis jetzt immer mit der Software Panoramastudio von Tobias Hüllmandel gestitcht. Dieses Programm habe ich bereits seit der Version 1 lizenziert. Ich arbeite meistens ohne Panoramakopf und schiesse die Fotos sozusagen aus der Hüfte. Unter diesen Umständen liefert das Programm trotzdem ganz hervorragende Ergebnisse. Der Programmierer hat sogar vor einiger Zeit zusätzlich noch eine Mac OS X Version veröffentlicht, die sich mit dem selben Lizenzschlüssel freischalten lässt und erweitert das Programm regelmäßig um neue Funktionen.
Ein Smartphone wie das IPhone bietet aber auch einige nicht zu unterschätzende Vorteile. Zum einen hat man den Fotoapparat quasi immer dabei, das heißt also ich muß nicht zusätzlich eine Spiegelreflex oder Kompaktkamera mitnehmen und kann auch mal spontan ein Panoramafoto aufnehmen, wenn ich an einem Ort bin, der mir gefällt. Zum anderen kann man das Ergebnis auch direkt vor Ort kontrollieren und gegebenenfalls auch noch hochladen, wenn man es mit anderen teilen möchte.
Ich habe mir in den letzten Monaten diese vier Apps installiert und getestet. Es gibt sicherlich eine sehr große Anzahl von anderen Panoramafotografie-Apps für das IPhone. Über weitere Tipps freue ich mich.
Mein persönliches Fazit nach dem Ausprobieren der Apps: Um also Panoramen zu fotografieren und zusammenzusetzen würde ich grundsätzlich aus Qualitätsgründen ein Programm auf dem Rechner zuhause vorziehen und eine Spiegelreflexkamera zusammen mit Stativ verwenden. Alle von mir ausprobierten Apps eignen sich eher mal für das Panorama zwischendurch, erzeugen aber durch die Bank keine Qualität, die beispielsweise für den Leinwanddruch eines Panoramas ausreichen würde.
1. Microsoft Photosynth (kostenlos)
Photosynth ist lustigerweise eine App für das Apple-Betriebssystem von Microsoft. Ursprünglich war diese aus einem Forschungsprojekt der Microsoft Labs entstanden. Eigentlich war die Software dazu gedacht, aus Fotos unterschiedlicher Quellen sogenannte 3D-Räume zu erstellen. In diesen 3D-Räumen bleibt weiterhin jedes einzelne Bild abrufbar. Inzwischen wurde die Software um die Panoramabilder-Funktion erweitert.
Das Aufnehmen der Panoramen ist relativ einfach. Man startet die App und bekommt ein Gitternetz angezeigt, in das man automatisch hineinfotografieren lassen kann. Zur besseren Kontrolle wird ein bunter Rahmen um das jeweilige Bild angezeigt, leuchtet dieser grün, dann löst die App ein Foto aus. Es ist auch möglich Fotos per Hand nachzuschiessen, falls beispielsweise jemand durchs Bild gelaufen ist. Sobald alle Fotos für das Panorama geschossen worden sind, kann man den Render-Vorgang starten, der 1-2 Minuten in Anspruch nimmt. Während dieser Zeit ist es möglich, das Panorama mit einer Beschreibung sowie GPS-Daten zu versorgen. Die entstandenen Panoramen sind von erstaunlich guter Qualität, auf einem IPhone 4S lässt sich durch die dreidimensionale Ansicht komfortabel und schnell mit dem Finger navigieren.
Um die Panoramen später außerhalb des eigenen IPhones anzuschauen, benötigt man sowohl eine Windows Live ID sowie Microsoft Silverlight, und das ist auch einer der größten Nachteile des Ganzen. Unter Mac OS X und Linux ist das Anschauen der Panoramen damit nämlich nur mit einem erhöhten Aufwand möglich.
Links:
http://itunes.apple.com/de/app/photosynth/id430065256?mt=8
http://photosynth.net
2. Panoramatic 360 (€ 0,79)
Panoramatic bietet zum Einstieg einen Assistenten, der es erlaubt entweder im Hochformat oder im Querformat zu fotografieren. Die Bewegung des Fotografen wird anhand des Gyroskops erkannt. Die App warnt mit optischen und akkustischen Signalen, wenn das Handy für ein Foto stillgehalten werden soll. Die App erscheint jedoch nicht sehr ausgereift. In der Praxis hat der Panoramaassistent mehr schlecht als recht funktioniert. Endlos sollte fotografiert werden, es wurden keine Serien nacheinander durchfotografiert, so dass Lücken entstanden. Sehr oft konnten die Panoramen dann auch nicht zu Ende berechnet werden. Der Prozeß brach mit der Meldung ab, dass zu wenig Speicher vorhanden wäre. Die App ist in Englisch gehalten, allerdings in einer sehr schlechten Qualität, die Entwickler scheinen Italiener zu sein. Das Support-Forum auf der Website war auch nicht zu gebrauchen, es fast ausschließlich aus Spameinträgen und sollte besser von den Betreibern abgeschaltet werden.
Die Qualität der erzeugten Panoramen war in Ordnung, wenn auch nicht überragend. Die Panoramen können entweder vom Iphone heruntergeladen oder online vom Handy aus veröffentlicht werden. Kugelpanoramen können keine erzeugt werden.
Links:
http://itunes.apple.com/de/app/panoramatic-360/id329855051?mt=8
http://panoramatic.floaty.it/
3. 360 Panorama (€0,79)
Die App zeigt nach dem Start ein leeres graues Gitternetz, in das man hineinfotografieren kann, bis man alle Lücken “vollfotografiert” hat. An Fotografieoptionen gibt es nur “klassisch”, bei dem es wohl keinen Helligkeitsausgleich gibt, sowie “Nächste Generation”, das wohl ein besseres Stitching bieten soll und die Panoramen beim Hochladen noch einmal verbessert. Es gibt beim Fotografieren auch hier ein optisches und akkustisches Feedback. Die Fotos können über einen eigenen Cloud-Dienst vom IPhone aus hochgeladen werden. Bestehende Fotoserien lassen sich aus der Bibliothek in die App importieren.
In der Praxis überzeugt die App weniger. Zum einen funktionierte der Helligkeitsausgleich nicht besonders gut. Gerade an sonnigen Tagen ist also das Fotografieren von Panoramen so gut wie unmöglich. Des weiteren kam auch die Bewegungsmessung durch das Gyroskop bei zu schnellen Bewegungen gerne durcheinander und die Arbeit war umsonst. Auch die erzeugten Panoramen überzeugten nicht unbedingt. Sie waren oft unsauber gestitcht und die Übergänge waren nicht sauber. Es sollte nach Möglichkeit nicht was sich bewegt im Panorama sein, sonst hat man abgeschnittene Arme und Beine bzw. Schattenbilder.
Links:
http://itunes.apple.com/de/app/360-panorama/id377342622?mt=8&ign-mpt=uo%3D4
http://occipital.com/360/app
4. Autostitch (€1,59)
Von den verglichenen Apps ist dieses Programm am teuersten. Die App ist recht spartanisch gehalten. Beim Start gibt es die Möglichkeit Panoramen zu fotografieren, Fotos aus der Bibliothek zusammensetzen zu lassen oder sich die bereits berechneten Panoramen anzuschauen. Der Assistent gibt so gut wie keine Hilfen, es ist nur möglich, sich das jeweils letze fotografierte Bild im Kleinformat anzuschauen. Dem Nutzer ist es also selbst überlassen, eine möglichst passende Fotoserie zu schiessen. Das Erzeugen des fertigen Panoramas funktioniert gut und lässt sich live auf dem Display mitverfolgen. Nachdem das Bild fertig berechnet wurde, kann es auf dem IPhone direkt auf die richtige Größe beschnitten werden. Danach kann das Panorama entweder in der App belassen werden oder es ist möglich, das fertige Panoramafoto in die Bibliothek des IPhones zu exportieren. An Bedienungskomfort hatte Autostitch am wenigsten, jedoch gefiel mir die Qualität der erzeugten Bilder hier am besten. Es ist jedoch nicht möglich, Kugelpanoramen zu erzeugen.
http://itunes.apple.com/de/app/autostitch-panorama/id318944927?mt=8
http://www.cs.bath.ac.uk/brown/autostitch/autostitch.html